Warum Multitasking erschöpft und wie du jetzt deine Kraft behältst.

Homeoffice, Homeschooling, Kinderbespaßung, Haushalt, Partnerschaft und und… Fühlst du dich manchmal auch als Multitasking-Supermom? Die funktionieren muss, mit drei, vier Aufgaben gleichzeitig? Sicher, Multitasking gehört irgendwie schon immer zum Jobprofil einer Mutter. Aber das jetzt ist wirklich Königsdisziplin.

Multitasking – eine erschöpfende Vision

Auch wenn gerade viele Frauen glauben, diese Fähigkeit perfekt zu beherrschen – Multitasking ist NICHT möglich.

Denn mehrere wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass das menschliche Gehirn nicht in der Lage ist, mehrere Aufgaben gleichzeitig mit der gleichen Aufmerksamkeit zu erfassen und zu bewältigen. Man kann es auch nicht lernen, keiner kann mehrere Dinge gleichzeitig tun und eigentlich sollte es auch niemand tun wollen. Denn unser Gehirn wechselt dann blitzschnell zwischen Aufgaben hin und her und muss damit enorme Zusatzleistungen erbringen.
Das laugt aus.

Wann haben wir nur begonnen, Multitasking als so erstrebenswert zu betrachten?

Wenn die Aufgaben, die zu bewältigen sind, überhandnehmen und die Todo-Liste nicht mehr nach und nach abgearbeitet werden kann, beginnen wir Dinge gleichzeitig zu tun. Telefonieren während wir surfen. Mails lesen während wir in einer Videokonferenz sind. Und jetzt auch noch Home-Office und Home-Schooling gleichzeitig. Aber auch im ganz normalen Tagesablauf ist das gefühlte Multitasking an der Tagesordnung. Fernsehen beim Bügeln – und da oute ich mich jetzt. Podcast hören beim Autofahren. Die inzwischen normal gewordene Informationsflut. Das Handy als Dauerablenkung, immer in greifbarer Nähe, damit man ganz schnell mal einfach zwischendurch…

Energie folgt Aufmerksamkeit

Aber unsere Energie ist nicht endlos verfügbar.
Bei allem was wir tun, benötigen wir Konzentration, unser Geist muss sich fokussieren. Dafür muss unser Gehirn andere Dinge ausblenden, es trennt für uns automatisch Wichtiges von Unwichtigem. Müssen wir viel ausblenden, wie etwa Kinderlärm, eingehende Mails, das Ping des Messengers – oder auch den Gedanken, was wir gleich noch erledigen oder auf keinen Fall vergessen dürfen – wird es immer anstrengender, sich zu konzentrieren. Und Anstrengung macht uns müde.
Die Folge – wir erbringen weniger Leistung, wir sind leichter abgelenkt und öfter reizbar.
Was alles nicht besser macht.

Oft melden sich noch stärkere Symptome, wie innere Unruhe, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Rückenschmerzen. So zeigt unser Körper, in welcher Energieknappheit er steckt und uns, dass wir reagieren sollten.

Bei zu wenig Ruhe hilft nur – ausruhen

Gerade jetzt, wo viele Frauen über die Maßen gefordert sind und bis hin zur Erschöpfung gefühlt `multitasken´, hilft genauso wie nach körperlicher Anstrengung einfach nur ausruhen, mentale Erholung möglich machen. Und dazu gehört nicht Computerspielen, surfen oder sich vom abendlichen Fernsehkrimi berieseln lassen. Dabei erholt sich unser Geist nicht wirklich, im Gegenteil.

Ruhe für den Geist heißt abschalten, ausklinken. Am besten in der Natur. Ohne Handy und Stöpsel in den Ohren. Und da reicht schon eine Viertelstunde  – täglich – um unsere Batterien wieder aufzuladen.

Hier kannst du lesen, warum der Aufenthalt in der Natur uns hilft, zu entspannen und aufzutanken:

Draußen-Zeit: Balsam für die Seele

Übung: Den Affen im Kopf zähmen

Und oft reicht auch das noch nicht, das Gebrabbel im Kopf zur Ruhe zu bringen. Die Gedanken über das, was eben passiert ist oder die Sorgen, was möglicherweise noch passieren kann, die wie ein Affe im Kopf hin und her hüpfen und keine Ruhe geben. Das gelingt durch Meditation, aber auch beim Sex, beim Singen, beim Spielen mit unseren Kindern.

Oder mit Achtsamkeitsübungen, indem wir unsere Aufmerksamkeit auf etwas komplett anderes lenken.
Eine einfache, sehr wirksame Übung ist, alle deine Sinne zu aktivieren, indem du dich fragst –
was höre ich gerade,
was sehe ich gerade,
was rieche, schmecke, fühle ich gerade…

Und auf die Antworten lauschst, die deine Sinne dir geben.
Eine wahre Entdeckungsreise, das verspreche ich dir!

Bleib bei der Sache

Wir bemerken inzwischen meist gar nicht mehr, wie oft wir uns ablenken lassen und wie oft wir versuchen Dinge gleichzeitig zu machen. Da hilft nur, uns aufmerksam zu beobachten und es bewusst anders zu machen. Z.B. nicht automatisch zu reagieren, wenn das Handy klingelt. Oder eine Whatsapp-Nachricht eintrudelt. Meistens hören wir sofort auf, mit dem was wir gerade tun und nehmen das Gespräch an oder schauen auf den Messenger – und kommen danach schlecht wieder zurück in die Aufgabe. Einfach mal läuten lassen oder wenigsten ein kurzes „ich melde mich später“ hilft schon.

Am besten natürlich, das Gerät mal für die Zeit, in der wir konzentriert mit einer Aufgabe beschäftigt sind, komplett abschalten. Das gilt auch für die Mailbenachrichtigungen, die sich ungefragt auf unsere Arbeit am PC schiebt und uns erst mal aus der Konzentration reißt. Ich schaue nur 2-3 mal täglich auf meine Mails, je nachdem ob ich auf eine Nachricht warte, meisten vor und nach der Mittagspause und am Ende des Tages.

Tipp: Kennst du die Pomodoro-Technik?
Damit teilst du eine Aufgabe in 4 x 25-Minuten-Abschnitte mit je 5 Minuten Pause dazwischen. Du richtest für 25 Minuten deine volle Konzentration auf die zu erledigende Aufgabe und erlaubst dir keine Ablenkungen. Nach den 4 Zeitabschnitten gibt es eine längere Pause von 30 Minuten zum Luft schnappen, bewegen oder Kaffee kochen. Probier es mal aus. Es gibt im Netz einige gute Beschreibungen und sogar Timer, die du online ablaufen lassen kannst. Du wirst erstaunt sein, wie effektiv du arbeitest und du außerdem am Ende des Tages weniger erschöpft bist.

Tu bewusst nur eine Sache, nichts anderes nebenher und gib die volle Aufmerksamkeit auf die eine Sache. In Zeiten von Homeschooling und Homeoffice leichter gesagt, als getan, ich weiß. Und doch bin ich überzeugt, es geht viel mehr, als du glaubst.
Fang im Kleinen an. Wie so oft ist auch hier weniger mehr.

 

Selbstfürsorge

Ich kann es nicht oft genug und immer wieder sagen – sorge für dich!
Denn nur, wenn du für dich und dein Wohlergehen sorgst, deine Energietanks immer gut auffüllst, kannst du deine Energie auch für das Wohl anderer einsetzen. Also lass irgendwelche perfektionistische Gedanken und Anflüge von schlechtem Gewissen einfach mal beiseite und erlaube dir, an dich selbst zuerst zu denken. Wie im Flugzeug im Falle eines Notfalls, dann solltest du auch dir zuerst die Sauerstoffmaske aufsetzen und dann deinem Kind, Mann oder Nachbarn.

Noch ein paar zusätzliche Tipps:

Schaffe feste Strukturen.
Ein guter Anfang sind feste Zeiten, z.B. für das gemeinsame Abendessen.
Strukturierte Tage sorgen für einen besseren Überblick über noch ausstehende Aufgaben.

Mach dir bewusst – der Tag hat nur 24 Stunden
und davon gehören mindestens 6 Stunden der Nacht, besser 8.

Lass Fünfe grade sein.
Was ist wichtiger – ein krümelfreier Boden oder die Viertelstunde an der frischen Luft.

Nimm dir Zeit nur für dich,
mach Pause von Arbeit, Haushalt und auch von den Kindern. Ein warmes Bad mit einem guten Buch eignet sich hervorragend.

Bitte um Hilfe.
Im letzten Jahr hat die Gleichberechtigung der Frauen einen großen Rückschritt erlebt. Offensichtlich wurde das bei der Aufgabenverteilung von gleichzeitiger Kinderbetreuung bzw. Homeschooling und Homeoffice und womöglich auch noch Kümmern um Essen und Haushalt. Viele Frauen erzählten, dass ihr Mann das einfach nicht kann – Multitasking. Und sich mit diesem Argument zum Arbeiten in einen stillen Winkel zurück zog.
Nur – auch Frauen können kein Multitasking, versuchen es aber immer wieder. Mit den oben beschriebenen Konsequenzen.
Wie wäre es, wenn du diesen Artikel zum Anlass nehmen würdest, die Aufgaben neu zu verteilen, denn ihr sitzt alle in einem Boot.

Multitasking erschöpft. Und zwar beide Geschlechter gleichermaßen.

Pass auf dich auf! Du bist es wert!